Kurzinformation zum Thema Mobbing
> Definition
> Beispiele
> Ursachen
> Formen und Verlauf von Mobbing
> Folgen von Mobbing
> Behandlungs- und Interventionsmöglichkeiten
> Links zum Thema Mobbing
Definition
Definition und Abgrenzung vom Konfliktbegriff: Mobbing (engl. "to mob": über jdn. herfallen, bedrängen, angreifen, anpöbeln etc.) wird in der deutschen Umgangssprache oft sehr vieldeutig und beliebig verwendet. Im engeren Sinne bedeutet Mobbing, dass jemand an seinem Arbeitsplatz häufig und über einen längeren Zeitraum angegriffen, ausgegrenzt, benachteiligt oder schikaniert wird. Das Auftreten zwischenmenschlicher Konflikte am Arbeitsplatz ist noch lange kein Mobbing, sondern ergibt sich unter anderem allein schon aus der Tatsache zwischenmenschlicher Unterschiede. Erst wenn diese zwischenmenschlichen Konflikte nicht gelöst werden können, sondern vertuscht oder verdrängt werden, ergibt sich daraus der Nährboden für Mobbing. Negierte zwischenmenschliche Konflikte werden oft indirekt - das heißt "hintenherum" oder "unterschwellig" ausgetragen. Dies kann der Beginn von Mobbing sein. Die normale Kommunikation am Arbeitsplatz wird dann dauerhaft durch unterschwellige Konflikte belastet. Erst wenn diese Situation über längere Zeit anhält, nicht gelöst wird, sondern sich quasi verselbstständigt und zur Belastung und Ausgrenzung von Mitarbeitern führt, kann man von Mobbing sprechen.
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Beispiele für Mobbinghandlungen
Die folgenden Bespiele sollen lediglich einen Anhalt bieten und decken nicht alle Möglichkeiten für Mobbinghandlungen ab:
- systematisches Ignorieren und Ausgrenzen eines Mitarbeiters
- Falschinformationen, Vorenthalten von Informationen
- üble Nachrede, Unterstellungen, Intrigen spinnen
- nachäffen, sich lustig machen
- Einschüchtern, Drohen, Telefonterror
- Arbeitsentzug, Beschäftigung mit sinnlosen oder kränkenden Aufgaben, Erteilung von Aufgaben welche die Qualifikation übersteigen
- Gewalttätigkeiten, sexuelle Übergriffe usw.
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Ursachen
Warum tritt Mobbing auf? Warum wird ein Arbeitnehmer gemobbt? Diese Fragen sind dazu geeignet, zu polarisieren. Die Einen machen die Arbeitgeber, die Vorgesetzten, das Betriebsklima etc. dafür verantwortlich, die Anderen sehen die Verantwortung bei den sogenannten Mobbingopfern, deren Verhalten Mobbinghandlungen bei den Kollegen direkt oder indirekt begünstigt. In der Regel ist Mobbing ein komplexes Geschehen, was sich nicht einfach auf eine einzige Ursache reduzieren lässt. Individuelle Faktoren des Mobbingopfers müssen ebenso beachtet werden wie die menschlichen Faktoren der anderen am Mobbing Beteiligten. Außerdem müssen zahlreiche weitere Faktoren berücksichtigt werden wie z. B.:
- das Kommunikationsverhalten aller Beteiligten
- der Kommunikationsprozess
- die vorliegenden zwischenmenschlichen Konflikte
- die Gruppendynamik im unmittelbaren Arbeitsumfeld
- das Führungsverhalten der Vorgesetzten
- das Organisationsklima, die Konfliktbereitschaft und die Transparenz im Betrieb
- die Informationspolitik
- die Arbeitsorganisation
- die betriebliche Situation und die konjunkturellen Rahmenbedingungen usw.
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Formen und Verlauf von Mobbing
Da Mobbing ein sehr komplexes Phänomen ist und die Ursachen von Mobbing sehr unterschiedlich sein können, gibt es keinen einheitlichen, für alle Fälle zutreffenden typischen Verlauf von Mobbing. Wenn Mobbing von der Firmenleitung gezielt als Waffe eingesetzt wird, um Mitarbeiter (z. B. im Rahmen eines Personalabbaus) loszuwerden, oder wenn es zur Firmenpolitik/zum Führungsstil eines Vorgesetzten gehört, Rivalität, Missgunst und Misstrauen unter den Mitarbeitern zu fördern, sieht der Verlauf anders aus, als wenn Mobbing als Folge von Kommunikationsproblemen, Missverständnissen oder Antipathien schleichend entsteht. Die folgende Systematik dient zur groben Orientierung. Die einzelnen beschriebenen Phasen müssen nicht notwendig chronologisch aufeinander folgen:
- Phase 1: Ein normaler Konflikt am Arbeitsplatz wird nicht gelöst und ist zu ausgeprägt, um vergessen zu werden. Folglich schwelt er unterschwellig weiter und führt schleichend zu einem veränderten Verhalten der Betroffenen (Verunsicherung, Verärgerung, Angst etc.)
- Phase 2: Sachliche Auseinandersetzungen werden zunehmend schwieriger. Der eigentliche Konflikt tritt in den Hintergrund. Persönliche Unstimmigkeiten dominieren und führen zu einem irrationalen, emotionalen Verhalten mit dem Ziel der Selbstverteidigung, welches einen beachtlichen Teil der Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Stresssymptome stellen sich ein.
- Phase 3: Das Verhalten und Befinden des Gemobbten geben Anlass zu weiterer Ausgrenzung durch andere, primär nicht direkt am ursprünglichen Konflikt Beteiligten. Die gemobbte Person wird als störend erlebt. Ein Teufelskreis der Ausgrenzung beginnt: auffälliges Verhalten des Gemobbten >>> Ausgrenzung des Gemobbten und Gerüchte über den Gemobbten >>> noch auffälligeres Verhalten des Gemobbten >>> Ausgrenzung usw..
- Phase 4: Fehldiagnosen bzw. unzureichende Diagnosen die nicht berücksichtigen, dass die emotionale Belastung am Arbeitsplatz für den schlechten Gesundheitszustand des Betreffenden verantwortlich ist und dadurch oft zu kurz greifen und eine optimale bzw. umfassende Behandlung erschweren.
- Phase 5: Isolation, Stigmatisierung, langfristige Krankschreibung, Berentung, Kündigung, im schlimmsten Fall Selbstmord des Betroffenen.
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Folgen von Mobbing
Mobbing ist kein Randphänomen. Ca. eine Million erwerbsfähige Menschen in Deutschland werden gemobbt (Meschkutat et. al. 2002). Jeder neunte Erwerbstätige wurde schon einmal gemobbt. Naheliegend sind natürlich die den einzelnen betreffenden individuellen Folgen von Mobbing. Darüber hinaus kann Mobbing jedoch auch Folgen für den Betrieb und gesamtgesellschaftliche Folgen haben:
- Individuelle Folgen: Die emotionale Belastung durch das Mobbing führt dazu, dass der/die Betreffende viel Energie und Zeit dafür verwendet, sich innerlich zu ordnen, zu beruhigen, zu regenerieren und sich im Arbeitsteam zu behaupten und zu schützen. In den Beziehungen am Arbeitsplatz führt dies zu einer Verunsicherung und zu Misstrauen. Mittelfristig resultieren daraus Konzentrations- und Leistungsstörungen, eine allgemeine Demotivation mit einer "inneren Kündigung" und "Dienst nach Vorschrift" sowie Beschäftigung mit Aktivitäten (während der Arbeitszeit), die den Arbeitgeber Geld kosten, ihm aber nichts bringen (dem gemobbten Arbeitnehmer aber einen Rest von Selbstwertgefühl sichern). Langfristig sind die Folgen oft Ängste, Depressionen oder psychosomatische Erkrankungen (mit Symptomen wie Schlafstörungen, Kopf- oder Rückenschmerzen, Magen- oder Darmproblemen, Herz- oder Kreislauferkrankungen etc.). Hinzukommt, dass auch das Privat- bzw. Familienleben des Gemobbten oft beeinträchtigt und in Mitleidenschaft gezogen wird.
- Folgen für den Betrieb: Für den Betrieb bedeutet Mobbing einen unnötigen inneren Reibungsverlust - Mitarbeiter reiben sich aneinander auf, statt für den Betrieb produktiv zu sein, was den Betrieb indirekt schädigt. Mobbing ist sozusagen der Sand im Getriebe eines Betriebs. Die Auswirkungen auf die Gesundheit des Gemobbten führen zu Fehlzeiten und langfristig zu Kündigung und zu einer erhöhten Fluktuation, sowie zu arbeitsrechtlichen Verfahren, was den Betrieb erhebliche Summen kosten kann. Die Konkurrenzfähigkeit des Betriebes wird in Mitleidenschaft gezogen.
- Folgen für die Gesellschaft: Die durch die Folgen von Mobbing erforderlichen medizinischen Heilbehandlungen, Rehabilitationsbehandlungen, das Arbeitslosengeld und die Frühberentungen verursachen für die Gesellschaft ebenfalls erhebliche Kosten.
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Behandlungs- und Interventionsmöglichkeiten bei Mobbing
Die Behandlungs- und Interventionsmöglichkeiten hängen von der Form und der Phase des Mobbings ab. Je nach der Art des Mobbings und der Phase in der sich der Mobbingprozess* befindet, sind die Möglichkeiten der Behandlung und Intervention unterschiedlich.
Wird schon in Phase 1, d. h. relativ frühzeitig erkannt, dass ein Mobbingprozess entsteht, ist es zunächst empfehlenswert, Unterstützung aus der näheren Umgebung, d. h. bei Kollegen, Vorgesetzten, Vertrauenspersonen, zu suchen. Wenn dem Problem dadurch nicht abgeholfen werden kann, ist die Hinzuziehung eines Mobbingbeauftragten, des Personal- oder Betriebsrats oder einer Schlichtungsstelle oft hilfreich. Hat sich der Mobbingprozess erst einmal verselbstständigt, oder ließ er sich mit den genannten Mitteln nicht stoppen, kann es erforderlich werden, externe Hilfe (außerhalb des Betriebes) zu suchen, z. B. bei einer Mobbingberatungsstelle, einer Selbsthilfegruppe, oder einem Psychotherapeuten oder Supervisor (falls eine Teamberatung bzw. Teamentwicklung gewünscht wird). Allerdings zeigt die Erfahrung, dass ein weiter fortgeschrittener Mobbingprozess oft nicht einvernehmlich gelöst werden kann, weshalb auch juristische Hilfe empfehlenswert sein kann.
Psychotherapeutische Hilfe kann in einem frühen Stadium des Mobbingprozesses der inneren Orientierung und Stabilisierung dienen und helfen, Mittel und Wege zur Beendigung/Lösung des Mobbingprozess ist zu finden. In einem fortgeschrittenen Stadium des Mobbingprozesses dient psychotherapeutische Hilfe eher dazu, die Belastung durch das Mobbing zu verarbeiten, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen, psychosomatische Symptome zu behandeln, sich neu zu orientieren und Wege aus dem Mobbing heraus zu finden, sowie einem erneuten In-Gang-Setzen eines Mobbingprozesses in einem neuen Arbeitsumfeld vorzubeugen. Nach einem intensiven, langdauernden Mobbingprozess kann auch eine längere Rehabilitationsbehandlung erforderlich sein.
Zur Vorbereitung einer professionellen Unterstützung ist die Dokumentation des eigenen Verhaltens und des Verhaltens des "Mobbers" mit Hilfe eines sog. "Mobbingtagebuches" empfehlenswert (hierzu eignet sich z. B. ein Terminkalender mit einer Seite für jeden Tag, in den dann täglich eingetragen wird, wann sich welche Mobbinghandlungen zugetragen haben, welche Personen anwesend waren und welche Folgen das Ereignis nach sich zog - z. B. Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen etc. sowie damit zusammenhängende Arztbesuche - auch mobbingfreie Phasen sollten deutlich gekennzeichnet werden).
*mit Mobbingprozess ist hier kein juristischer Prozess gemeint, sondern der prozesshafte Ablauf von Mobbinghandlungen.
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Links zum Thema Mobbing
www.bmwa.bund.de/Navigation/Arbeit/Arbeitsrecht/mobbing.html
www.dgb.de/themen/mobbing/mobbing.htm
www.baua.de/fors/fb02/fb951.htm
www.impulse.de/the/man/dos/mobbing/165098.html
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