Psychosomatische Erkrankungen

> Definition
> Sonstige Bezeichnungen oder ähnliche Erkrankungen
> Sind diese Erkrankungen Einbildung oder Simulation?
> Beispiel: eine typische Krankengeschichte
> Wie entstehen diese psychosomatischen Erkrankungen (somatoformen Störungen)?
> Häufigkeit somatoformer Störungen
> Diagnose somatoformer Störungen
> Behandlung psychosomatischer Störungen
> Allgemeine Informationen über psychosomatische Medizin
> Links zum Thema psychosomatische Erkrankungen



Definition

Man unterscheidet grob zwei Formen psychosomatischer Erkrankungen (wie so oft in der Medizin kann man beide Formen psychosomatischer Erkrankungen gelegentlich nicht ganz klar voneinander unterscheiden, weil Mischformen von Erkrankungen vorkommen können):

  • Organische Erkrankungen, bei deren Entstehungsgeschichte psychische Einflussfaktoren eine wesentliche Rolle spielen. Hierzu gehören zum Beispiel: Magengeschwüre, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Asthma bronchiale, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Hörsturz, Tinnitus, Diabetes mellitus, Neurodermitis, Migräne, Bandscheibenvorfall, Essstörungen, vermehrte Infektanfälligkeit etc.. Auf diese Form psychosomatischer Erkrankungen wird im Folgenden nicht näher eingegangen.
  • Erkrankungen, bei denen zwar keine organischen Störungen/organischen Schäden festzustellen sind, die aber dennoch zu erheblichem Leiden und Funktionsstörungen führen (sogenannte somatoforme Störungen oder funktionelle Störungen). Hierzu gehören zum Beispiel: Schmerzstörungen, funktionelle Herzbeschwerden, funktionelle Ober- oder Unterbauchbeschwerden, funktionelle Störungen des Urogenitalsystems, funktionelle Atmungsbeschwerden, Hyperventilationssyndrom, Schwindel, Schluckstörungen etc.
  • Meistens tritt bei diesen Störungen irgendeine Form von Schmerz auf, aber auch Herzbeschwerden, Atmungsbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Blasenbeschwerden, sexuelle Beschwerden, Schwindelgefühle, Erschöpfungszustände und Ähnliches kommen häufiger vor. Die Beschwerden können einzeln, in Kombination oder wechselnd auftreten.

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang



Sonstige Bezeichnungen

Somatoforme Störungen werden auch häufig unter Bezeichnungen wie "psychovegetative Störung", "vegetative Dystonie", "Fibromyalgie" (siehe auch Thema Schmerz), "Reizmagen-/Reizdarmsyndrom", "chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)", "Multiple Chemical Sensitivity (MCS)" etc. gefunden.

Sind somatoforme Störungen eingebildet?

Obwohl der Arzt bei diesen Erkrankungen keinen krankhaften Befund erheben kann, handelt es sich hierbei keinesfalls um eingebildete oder simulierte Beschwerden. Die empfundenen Beschwerden sind vielmehr tatsächlich vorhanden, sind häufig sehr ausgeprägt und führen oft zu einem Leiden, was stärker sein kann als das Leiden an einer greifbaren organischen Erkrankung, da zu den körperlichen Beschwerden auch noch die Unsicherheit und die Zweifel über den fehlenden organischen Befund hinzukommen. Außerdem können diese psychosomatischen Erkrankungen - ebenso wie schwere somatische Erkrankungen - erhebliche Einschränkungen im Berufsleben, in der Familie, in der Freizeitgestaltung etc. mit sich bringen, wodurch mit der Zeit auch noch die Stimmung in Mitleidenschaft gezogen wird und depressive Symptome oder Angstsymptome entstehen können.

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang



Beispiel: Eine typische Krankengeschichte von Menschen mit somatoformen Störungen.

Nach vielen Jahren aufopferungsvollen und erfolgreichen Wirkens in Familie und Beruf treten plötzlich Symptome auf, die das gewohnte Funktionieren verunmöglichen. Zu allem Unglück finden die Ärzte der verschiedenen Fachdisziplinen keinen organischen Befund ("Ihnen fehlt nichts"). Die Frustration durch die starken Beschwerden, fehlende Diagnose, weiter anhaltende Beeintächtigung durch die Beschwerden und fehlende wirksame Hilfe, führt in eine Situation immer größerer Frustration und Ohnmacht. An dieser Stelle kommt häufig ein Teufelskreis in Gang: mit immer größerer Hoffnung auf den "richtigen Arzt" (oder "richtigen Heiler") wird ein Arzt nach dem anderen aufgesucht (oft werden auch große Summen für Heilpraktiker etc. ausgegeben) - nach einer kurzen Phase der Hoffnung, endlich einen kompetenten Arzt gefunden zu haben erfolgt eine erneute, umso größere Frustration, wenn auch hier wieder keine zufriedenstellende Diagnose/Therapie gefunden wurde - dann geht die Suche nach dem nächsten Arzt los - usw.. Die sich hieraus ergebende Diagnostik und Behandlung kostet viel Zeit und Geld und führt leider oft zu einer Chronifizierung (oder sogar zu einer Verschlechterung) dieser Erkrankung oder zusätzlichen Beschwerden. Ein jahrelanger Leidensweg aufgrund dieser Erkrankungen ist deswegen keine Seltenheit.
Typisch für diese Form psychosomatischer Erkrankungen ist allerdings auch, dass die Betroffenen sich nur selten vorstellen können, dass berufliche, familiäre oder andere Belastungen, Probleme oder Konflikte (siehe auch Thema Stress) zu anhaltenden körperlichen Beschwerden führen können. Das Wissen darüber ist allerdings auch in den Gesundheitsberufen noch nicht sehr lange und nicht sehr weit verbreitet, obwohl dies in der modernen Medizin eine wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis ist.

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang



Wie entstehen psychosomatische Erkrankungen?

Psychosomatische Erkrankungen können durch eine Vielzahl von Ursachen und Wechselwirkungen bedingt werden. Hier spielen zum Beispiel Stress, belastende Lebenssituationen (z. B. Anforderungen oder Verluste verschiedener Art), Traumatisierungen etc. eine wichtige auslösende Rolle. Natürlich ist hier auch der Hintergrund der lebensgeschichtlichen Erfahrungen und Prägungen von Bedeutung (z. B. wird Stress je nach den Vorerfahrungen mit Belastungen/Traumatisierungen unterschiedlich verarbeitet und wirkt deswegen unterschiedlich belastend auf den Einzelnen).

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang



Häufigkeit somatoformer Störungen

Die Häufigkeit dieser Form psychosomatischer Beschwerden ist außerordentlich hoch. Ca. 10-30% aller ambulanten Arztbesuche sind auf körperliche Beschwerden ohne greifbare somatische Ursachen zurückzuführen, d. h. sie gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen.

Diagnose somatoformer Störungen

Die Diagnose somatoformer Störungen kann nur in enger Zusammenarbeit des Hausarztes bzw. der verschiedenen Fachärzte mit dem Facharzt Psychosomatische Medizin gestellt werden. Es reicht nicht aus, wenn keine organische Diagnose gestellt werden kann. Aufgrund eingehender psychosomatischer Untersuchungen muss eine positive psychosomatische Diagnose gestellt werden.

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang



Behandlung psychosomatischer Störungen

Behandlungsmöglichkeiten bei psychosomatischen Erkrankungen: Psychosomatische Störungen müssen in Form einer psychosomatisch orientierten Psychotherapie behandelt werden. Die körperlichen Beschwerden und Funktionseinschränkungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden und sollten in Kooperation mit den anderen medizinischen Fachdisziplinen behandelt werden (z. B. in Form von medikamentöser Behandlung, Physiotherapie, ggf. Operationen etc.). Auch psychophysiologische Therapieansätze wie das Biofeedback können hier erfolgreich eingesetzt werden. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt jedoch auf der psychosomatischen Psychotherapie, die in Einzel- oder Gruppentherapie stattfinden kann. Sie setzt sich auf verschiedenen Ebenen mit den auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen der jeweiligen Störung auseinander, um schließlich durch ein verbessertes Verständnis der Erkrankung und seiner selbst und durch neue Einstellungen und Lösungsstrategien eine Besserung der Erkrankung zu erreichen - nicht selten verschwinden die Symptome dann gänzlich.

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang



Links zum Thema psychosomatische Erkrankungen

www.klinikum-saarbruecken.de/np_show.phtml?nID=42
www.de.wikipedia.org/wiki/Psychosomatik
www.de.wikipedia.org/wiki/Psychosomatische_Medizin
www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/gesundheit/medizin/index,page=1662006.html

> zurück zur Übersicht - Behandlungsschwerpunkte
> zurück zum Seitenanfang