Kurzinformation zu den Themen Stressbewältigung,
psychosomatische Erkrankungen und Burnout-Syndrom
> Definition von Stress
> Formen von Stress
> Neurobiologie, Psychosomatik und Stress
> Formen psychosomatischer Erkrankungen
> Burnout-Syndrom
> Behandlungsmöglichkeiten
> Links zum Thema Stressbewältigung, psychosomatische Erkrankung und Burnout-Syndrom
Definition
Definition: Stress ist ein Zustand, in dem das biologische Gleichgewicht eines Organismus bedroht ist. Stress kann als unspezifische Aktivierungsreaktion des Organismus auf Anforderungen und Bedrohungen verstanden werden.
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Formen von Stress
Stress ist nicht grundsätzlich schlecht. Man unterscheidet zwischen gesunden und schädlichen Formen von Stress. Je nachdem, wie das Verhältnis zwischen den situativen Anforderungen/Belastungen einerseits, und der individuellen Beurteilung der eigenen, zur Bewältigung der Anforderungen/Belastungen zur Verfügung stehenden Fähigkeiten und Ressourcen andererseits, ist, werden die Anforderungen/Belastungen als angenehm oder unangenehm erlebt. Entscheidend ist also nicht die objektive Stärke des Stressors, sondern die subjektive Einschätzung desselben*. Das bedeutet, dass die Belastung durch Stress abhängig ist von den persönlichen Einstellungen, Erfahrungen, Fähigkeiten, Veranlagungen, sowie von der aktuellen Verfassung und von der Persönlichkeit ("Charakter") des Einzelnen. Hier sind natürlich auch Prägungen durch frühe Stresserfahrungen von Bedeutung.
* Allerdings können Stressoren auch ohne eine subjektive Einschätzung derselben (gewissermaßen unbewusst) als Belastung wirken - man denke z. B. an Lärm, der oft erst retrospektiv als Belastung bewertet wird, wenn Stille eintritt und wahrgenommen wird, wie sich der Organismus plötzlich entspannt.
Eu-Stress: Sowohl Überforderung als auch Unterforderung führt zu Unwohlsein und Leistungsabfall und bedeutet letztendlich eine Belastung. Wenn die Einschätzung der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten den situativen Anforderungen entspricht (wenn man sich also weder über- noch unterfordert fühlt), ist Eu-Stress, "gesunder Stress" die Folge. Im Idealfall stehen die eigenen Fähigkeiten mit den Herausforderungen im Einklang - dann kommt es zum sog. "Flow", einem Zustand des Aufgehens in der Tätigkeit und des Verschmelzens mit der Situation. Raum und Zeit verblassen und die Tätigkeit an sich wird als Glück erlebt.
Dis-Stress entsteht, wenn die Einschätzung der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten den situativen Anforderungen nicht entspricht (wenn man sich also über- oder unterfordert fühlt). Die Entstehung von Dis-Stress ist von vielen Faktoren abhängig:
- Äußere Faktoren: z. B. Umfang oder Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe, "physikalische" Eigenschaften eines Stressors (Lautstärke, Gewicht, Temperatur etc.), "soziale" Eigenschaften eines Stressors (Hektik und Spannungen in einem Krisengebiet etc.) u.s.w.
- Situative Faktoren: Vorhersagbarkeit des Stressors, Kontrollierbarkeit des Stressors etc..
- Innere (individuelle, persönliche) Faktoren: Erwartungshaltung, Einschätzung der Selbstwirksamkeit, Einschätzung der Kontrollierbarkeit, Selbstwertgefühl/-regulation, eigene automatische Stressreaktion (aufgrund eigener Prägungen - s.o.), Erfahrungen im Umgang mit Anforderungen, soziale Fertigkeiten, Fertigkeiten im Hinblick auf den Umgang mit dem Stressor, Charaktereigenschaften, eigene innere Konflikte u.s.w..
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Neurobiologie, Psychosomatik und Stress
Neurobiologische und psychosomatische Erkenntnisse:
- Stress aktiviert genetisch vorgegebene neuronale, hormonelle und Verhaltens-Programme ("Stress-System") mit dem Ziel, das biologische Gleichgewicht wieder herzustellen.
- Körperliche Belastungen aktivieren das Stress-System ebenso wie psychosoziale Belastungen.
- Das genetisch vorgegebene Stress-Verarbeitungssystem reift erst in den ersten Lebensjahren aus.
- Frühe Stresserfahrungen können zu einer eingeschränkten Funktion des Stressverarbeitungssystems führen und u.U. die Stressverarbeitung dauerhaft schädigen.
- Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass z. B. fogende Faktoren frühe Stresserfahrungen darstellen können:
- Scheidung/Trennung der Eltern
- körperliche Krankheit oder Behindung eines oder beider Elternteile
- psychische Krankheit oder Suchtproblem eines oder beider Elternteile
- Tod eines oder beider Elternteile - emotionale Vernachlässigung
- berufliche Anspannung beider Eltern von klein auf
- chronische familiäre Spannungen (z. T. mit Gewalt)
- häufige Schläge/Misshandlungen
- sexueller Missbrauch
- Altersabstand zum Geschwister weiniger als 18 Monate
- unzureichende/instabile finanzielle Situation
- Vorübergehende kontrollierbare Stresssituationen sind für die Reifung des Gehirns wichtig und führen zu adaptivem Lernen (Lernen, welches zu einer verbesserten Anpassung führt).
- Chronische unkontrollierbare Stresssituationen beeinträchtigen die Reifung des Stressverarbeitungssystems und erschweren oder verunmöglichen adaptives Lernen.
- Chronischer Dis-Stress kann (direkt über zelluläre Mechanismen, oder indirekt über einen krankmachenden Umgang mit dem Stress, z. B. in Form von Rauchen, Alkoholkonsum etc.) die Lebenserwartung verkürzen.
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Formen psychosomatischer Erkrankungen
Folgen eines nicht ausgereiften Stressverarbeitungssystems können z. B. eine Vielzahl von psychosomatischen Erkrankungen sein:
- sogenannte funktionelle Störungen (wenn andere organische Störungen ausgeschlossen sind), z. B. :
- Herzrasen/Herzrhythmusstörungen/Herzschmerzen
- Reizmagen/Reizdarm/Reizblase
- Schlafstörungen
- Schwindelgefühle
- Atemnot
- Muskelverspannungen
- Kopfschmerzen/Rückenschmerzen
- Schweißneigung
- Mattigkeit/schnelle Ermüdbarkeit etc.
- chronische Schmerzen
- Bluthochdruck (essentielle Hypertonie)
- koronare Herzerkrankung/Angina pectoris/Herzinfarkt - ("Arterienverkalkung")
- Magengeschwüre
- Asthma bronchiale
- Immunstörungen/Infektanfälligkeit
- rheumatische Erkrankungen
- Tinnitus/Hörsturz
- Migräne/Kopfschmerzen
- Hauterkrankungen
- Überfunktion der Schilddrüse
- Essstörungen
- Diabetes mellitus
- hoher Cholesterinspiegel....(meist im Zusammenspiel mit anderen Risikofaktoren)
- etc.
Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der genannten Erkrankungen kann Stress eine - z. T. wesentliche - Rolle spielen. Es darf aber nicht übersehen werden, dass oft noch weitere psychische und organische Faktoren von Bedeutung sind und die genannten Erkrankungen nicht zwangsläufig Folge von Stress sein müssen.
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Behandlungsmöglichkeiten
Entsprechend der sehr komplexen Entstehung von Stressproblemen (Dis-Stress) gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsmöglichkeiten, die allein oder (häufiger) in Kombination zur Anwendung kommen.
- Im Umgang mit akutem Stress können kurzfristige Stressbewältigungs-Strategien wertvolle Dienste leisten. Der Vorteil kurzfristiger Strategien ist, dass man sie schnell erlernen und einsetzen kann - z. B.: Biofeedback (siehe FAQ und Therapien), Entspannungstechniken, Ablenkungstechniken, positives Denken, Zeitmanagement, körperliches Training zum Abbau von Stresshormonen etc..
- Bei ausgeprägtem und chronifiziertem Stress helfen kurzfristige Strategien nur begrenzt weiter und bergen die Gefahr, dass sich auf lange Sicht die Stressproblematik noch verschlimmert - und dass sich durch den massiven Einsatz kurzfristiger Strategien weitere negative Nebenwirkungen einstellen (z. B. Übergewicht bei Ablenkung/Belohnung durch Essen) und zusätzlichen Stress erzeugen. Deshalb müssen kurzfristige Strategien in vielen Fällen ergänzt werden durch langfristige Strategien. Diese beziehen sich in der Regel weniger auf die oben erwähnten äußeren oder situativen Stressfaktoren, sondern mehr auf innere Faktoren, die Stress begünstigen. Die Ausdrücke "Stressbewältigung" und "Zeitmanagement" greifen hier zu kurz, da es hier um Persönlichkeitsentwicklung geht. Zur Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung eignen sich vor allem die verschiedenen anerkannten psychotherapeutischen Verfahren (siehe unter FAQ).
- Meditative Verfahren, die über einfache Entspannungstechniken hinausgehen und den Schwerpunkt auf eine konzentrierte Aufmersamkeit auf den Augenblick (und die im Augenblick erlebbaren inneren und äußeren Wahrnehmungen) legen, stehen zwischen den kurzfristigen und den langfristigen Strategien, da sie einige Zeit und Disziplin verlangen, um erlernt zu werden und da sie erst durch andauernde disziplinierte Anwendung die Reaktion des Gehirns auf Stress und den Umgang mit Stress positiv verändern.
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Burnout-Syndrom
Das Burnout-Syndrom ist ein Erschöpfungszustand, der sich meist infolge einer chronischen Überbelastung einstellt und mit depressiven Symptomen und/oder körperlicher Erschöpfung einhergeht. Beim Burnout-Syndrom stehen oft neben äußeren oder situativen Anforderungen ("Stress") als Ursache für das "Ausgebranntsein" innere Faktoren im Vordergrund, die begünstigen, dass man sich verausgabt (siehe auch "Dis-Stress"):
- hohes Leistungsideal, Perfektionismus, Schwierigkeiten zu delegieren, Helfersyndrom, Abgrenzungsschwierigkeiten, Selbstwertprobleme, Gefallenwollen, Überfürsorglichkeit,
- Faszination und Engagement für eine Aufgabe bei gleichzeitigem Fehlen von Ausgleichsbeschäftigungen (Freizeit, Beziehungen, Hobbys etc.)
- Workoholic-Sein zur Ablenkung von anderen Problemen
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Links zu den Themen Stress, Burnout-Syndrom, Psychosomatische Erkrankungen
www.dak.de/content/dakratgeber/gesundheitsratgeber_nerven_psyche_depression_erkennen_ursachen_stress.html
www.dak.de/content/dakratgeber/gesundheitsratgeber_herz_kreislauf_herzinfarkt_behandeln_lebensstil_stress.html
www.dak.de/content/dak24.nsf/HTML/9e5fd9f50bc0ae15c1256ad9002ef958.html?OpenDocument
www.uni-leipzig.de/~gespsych/x_stress_buch.html
www.stress.org/
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